Diskussion zum Zweckverband Kultur

Im September und Oktober 2005 hat das Kulturforum zwei Podiumsdiskussionen zum geplanten Zweckverband Kultur durchgeführt. Die Eckpunkte der Diskussion stelle ich Ihnen hier vor.

Der Hessische Ministerpräsident Koch hat mit der Dringlichkeitserklärung einen Stein ins Wasser geworfen, der nicht nur wie sonst üblich, Wellen erzeugt. Dieser Stein hat die Rhein Main Region erschüttert, rüttelt er doch an den historischen Grundfesten der Region, mißachtet er doch auch objektiv die Möglichkeiten und Potentiale der Region. Ich möchte meine Einschätzung zu der Diskussion um die Neuordnung der Kulturpoltik in acht Thesen darstellen:

1. Die Stärke der Rhein Main Region ist in ihrer polyzentrischen Struktur begründet. Dies ist keine leere Floskel, sondern die Entwicklungspotetionale nicht nur in der Kunst und Kultur, sondern auch im Feld der Wirtschaft, des Sport ja der Emotion liegen in Rhein Main in der Vielfalt. Der Zweckverband Kultur ist dagegen einfältig.

2. Die Rhein Main Region ist Kulturelle multi thematisch. Eine ausschließliche Bezugnahme auf die in den Gutachten beschriebenen Leuchttürme ist viel zu eingeengt und trtägt deshalb nicht. Zur Kultur des Rhein Main Gebiets gehören nicht nur die Theater und Opernhüser, die Museen und der Zoo sondern genauso die kommerziell betriebenen Veranstaltungsorte, z.B. die Festhalle ober um die Region zu nehmen, die Rhein Main Halle, das Coloseum oder die centralstation. Dazu gehören die Bildungseinrichtungen und die Orte unseres historischen Erbes und mit Verlaub – auch die Fastnacht gehört dazu.

3. Wenn dann eine neue, andere, bessere kulturelle Zusammenarbeit eine neue, andere und bessere Sichtbarkeit- ja auch internationale Sichtbarkeit erzeugen soll, so muss man analysieren, was die besten Startvoraussetzungen für internationale Sichbarkeit hat. Viele der diskutierten Einrichtungen erwecken aber mehr den Eindruck als seien ihre Aufnahme in die Liste der Leuchttürme eher der Notwendigkeit einer politischen Konsensbildung gefolgt, denn einer tatsächlichen Profilierung der Rhein Main Region.

4. Internationale Sichtbarkeit ist wichtig und notwendig. Der Blick auf London und meinetwegen New York erlaubt. Es ist aber mindestens ebenso wichtig, die Rolle der Kunst und Kultur und deren Einrichtungen in Rhein Main für den sozialen Frieden in Umbruchzeiten in das Blickfeld zu bewegen. Neben den Leuchttürmen ist ästetische Breitenbildung zu fördern. Neben der Werbung der alten Oper für den Finanzplatz muss der Zugang zu den Kultureinrichtungen besprochen werden. Denn der noch so schöne Besuch einer Ausstellung, einen erstklassigen Ballets wird in seiner wirkung zerstört, wenn ich danach Angst haben muss, durch die Straßen zu gehen.

5. Ich finde, dass die von Koch angetretene Diskussion auch etwas verschüttet, was real ist: die Region hat mehr verbindendes als trennendes. Vielleicht ist es die Brille des Politikers, die Koch hindert zu sehen, wo überall schon zusammengearbeitet, gerdacht und gehandelt wird. Die Arbeit der Kulturinitiative Rhein Main, die Route der Industriekultur und die gemeinsame Vermarktung der Vielfalt sind doch solche Beispiele.

6. Es gibt einen Streit, ob internationlae Sichtbarkeit durch die Verortung einer Idee oder durch die exklusivität bestimmter Einrichtungen besser zu ereeichen ist. Ich glaube wir sollten an der Idee arbeiten. Dazu brauchen wir die Institutionen und Einrichtungen, aber wenn es richtig ist, dass die Herausstellung der Einmaligkeit der Rhein Main Region etwas zu tun hat mit ihrer polyzentralen Anlage und mit ihrer kraft zu kulturellen Integration, dann kann dies nur gut gelingen, wenn eine Idee – die natürlich vergegenständlicht werden muss, die auch vermarktet werden muss – unser Leuchtturm ist.

7. Die Kulturellen Einrichtungen sind unterfinanziert. Um dies deutlich zu machen, hat es aber nicht der Dringlichkeitserklärung des Ministerpräsidenten bedurft. Eher hat man den Eindruck, dass die Dringlichkeitserklärung verschleiern soll, dass dies auch ein Landesproblem ist. Andere Länder verhalten sich da anders. Wenn das LAnd Hessen der Auffassung ist, dass die Entwicklung seiner Stärke davon abhängt, wie gut oder schlecht das Rhein Main Gebiet kulturell dasteht, dann muss es sich auch diesbezüglich anders engagieren.

8. Ich habe jetzt viel über Idee und Strukturen gesprochen. Aber es geht natürlich auch um Geld. Stölzl schlägt in seinem Gutachten einen Metropolenfond vor, der nicht nur die Kommunen und deren Interessen abbildet, sondern auch die Hessische wirtschaft. Dies halte ich für eminent wichtig. Es ist nicht nur die öffentliche Hand, die aus der Stärke der Rhein Main Region profitiert. Steuereinnahmen werden hiedr zum großen Teil generiert. Das stimmt. Aber es werden auch die Gewinne hier erzeugt und deshalb gibt es eine Verantwortung der Wirtschaft mit echten Euro in das Geschäft der kulturellen Sichtbarkeit der Rhein Main Region zu gehen.

Michael Siebel

Vorsitzender des Forums für Kunst und Kultur

Mitglied des Hessischen Landtags

Mail: siebel.mdl@siebel-spd.de

http://www.siebel-spd.de/